Emerging Media Reloaded war ein voller Erfolg

Nach etwas mehr als einem Jahr ist gestern die Fortsetzung der Diskussionsreihe „Emerging Media – Gespräche über die Medienökonomie der Zukunft” gestartet.
Der Abend stand ganz im Zeichen des Dschungelfiebers, aber es ging nicht um Schnecken-essende C-Promis, sondern um den noch wenig erforschten eBook-Dschungel, durch den sich die Konsumenten im Moment quälen müssen.

Zusammen mit Lina Burghausen habe ich die wichtigsten Aspekte unseres Buchmesse-Vortrags aus dem letzten Jahr (s. Projects) vorgestellt und in großer Runde über DRM, Preisdebatte und Kundenservice im Netz diskutiert.

Folgende Erkenntnisse fand ich recht interessant:

Anderes Leseverhalten:
Viele möchten, nachdem sie Stunden vor dem Monitor zugebracht haben, nicht auch die tägliche Lektüre auf einem elektrischen Gerät konsumieren, egal ob es ein eReader mit eInk-Technologie oder ein beleuchteter Tablet-PC ist. Aber das wird sich in Zukunft ändern, weil wir uns an das ungewohnte Lesen gewöhnen. Das zeigt auch die Vergangenheit – noch vor ein paar Jahren haben viele Menschen ihre E-Mails auf der Arbeit ausgedruckt, weil sie diese nicht am Bildschirm lesen wollten. Heutzutage machen das immer weniger. Es ist also nur eine Frage der Gewöhnung, die sich mit jedem Jahr, das wir vor dem PC sitzen, stärker verändert. Ob unsere Kinder es irgendwann vielleicht ungewohnt finden auf Papier zu lesen?

Nutzwert eines eBooks
eBooks treten in Konkurrenz zum gedruckten Buch, aber noch sind viele Käufer skeptisch, da der Nutzwert der meisten eBooks zu gering ist, als dass sich Anschaffungen wie ein Reader lohnen. Vor allem in der unterhalten Literatur ist dieser Nutzwert meist niedriger als der des gedruckten Buches, das ich mit in die Badewanne oder an den Strand nehmen kann. Dagegen bietet das eBook klare Vorteile bei Fachbüchern, die ich durchsuchen oder kommentieren kann oder für fremdsprachige Literatur, in der mir mit einem Klick unbekannte Wörter übersetzt werden. Damit eBooks gekauft werden, muss also ihr Nutzwert steigen und das ist vor allem abhängig vom Inhalt und den gebotenen Funktionen.

Ein einfacher Kaufvorgang ist das A und O
Wer selbst schon mal ein DRM-geschütztes eBook gekauft hat, wird den Aufwand kennen, den man betreiben muss, bis man das Buch endlich lesen kann. Falls es dann auch funktioniert, denn aufgrund der Format- und Gerätevielfalt kann es auch mal passieren, dass sich ein eBook nicht öffen lässt, sehr zum Ärger des zahlenden Kunden. Damit so etwas nicht passiert, braucht es geschlossene Systeme (à la Apple) oder speziell entwickelte Geräte mit angeschlossenem Shop (z.B. Kindle oder OYO). Nur wenn sich der Kaufvorgang vereinfacht, wird das eBook für ein größeres Publikum attraktiv.

Die Diskussion um DRM und Preise
Ob DRM ein wirksamer Schutz gegen das Raubkopieren ist, sei erstmal nebensächlich. Auf jeden Fall stellt es eine unbequeme Hürde für den zahlenden Leser dar und wird deshalb immer wieder ein Streitpunkt zwischen Verlag, Buchhändler und Leser sein. Auch zur Zahlungsbereitschaft für eBooks gibt es regelmäßig neue Studien, die alle das gleiche sagen: in den Augen der Konsumenten besitzen eBooks nicht denselben Wert wie ein physisches Produkt, weshalb sie in logischer Konsequenz auch viel weniger dafür zahlen würden. Auf der anderen Seite wollen Verlage eBooks ungern günstiger verkaufen, einerseits fürchten sie um den Verkaufserfolg ihrer gedruckten Werke, andererseits wollen sie den Markt nicht auf Niedrigpreise einstimmen, weil sie für die Zukunft auf innovative Technologien setzen, mit denen man hochwertige eBooks entwickeln kann, die einen deutlich höheren Preis rechtfertigen.
Solange es in beiden Punkten keinen Konsens gibt, werden es zwei Hürden bleiben, die den eBook-Markt noch für eine geraume Zeit hemmen werden.

eReader vs. Tablet
Welche Geräteklasse wird sich in Zukunft durchsetzen? Der dedizierte Reader oder das multifunktionale Tablet? Wenn man sich die Entwicklungen des letzten Jahres anschaut, gibt es auf diese Frage nur eine Antwort: Beide, allerdings in einem Gerät. Denn mit Farbdisplays wie beim Nook oder Minispielen auf dem Kindle öffnen sich die Reader für neue Anwendungsgebiete, gleichzeitig versuchen Tablets ein bisschen zu sein wie ein klassischer eReader mit nicht-spiegelndem Display, dessen Hintergrundbeleuchtung man beliebig verändern kann. Die Geräte nähern sich einander immer mehr an und irgendwann wird es außer den unterschiedlichen Produktbezeichnungen keinen signifikanten Unterschied mehr geben. Denn das ist es auch, was sich die meisten Konsumenten, wünschen: 1 Gerät, mit dem sie alles machen können, ohne dabei auf Nutzungskomfort zu verzichten.

Auf diesem Weg möchte ich mich auch nochmal bei allen Gästen für den spannenden Abend danken, an dem ich viel Neues über die Sichtweisen der Konsumenten zum Thema eBooks gelernt habe.

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