Die App-O-Manie geht um (2)

Teil 2: Sind Apple-Kunden die bessere Zielgruppe?

Genau diese Frage stelle ich mir schon eine geraume Zeit. Denn obwohl Apps, Tablets und Smartphones eines der wichtigsten Themen der Technologie-Branche sind, dreht sich die öffentliche Diskussion meist nur um den Apfel aus Cupertino.
Natürlich sind das iPhone respektive das iPad tolle Produkte, die in ihren Segmenten marktführend sind, aber dabei sollte man die anderen Anbieter und vor allem deren Kunden nicht vergessen. Nach der letzten Umfrage von Nielsen liegen die drei großen Anbieter Apple iOS (28,6 %), RIM/Blackberry (26,1 %) und Google Android OS (25,8 %) so nah beieinander, dass man wohl kaum noch von einer eindeutigen Marktführerschaft sprechen kann.

Warum fokussieren sich hierzulande die Verlage dann so sehr auf die Apple-Geräte?
Am tollen Service für Unternehmen und der herausragenden Präsentation im AppStore kann es eigentlich nicht liegen. Vielleicht ist man einfach nur von der vielgepriesenen Zielgruppe der Early Adopters fasziniert: großes Interesse an Innovationen, gut gebildet und ausgestattet mit einer hohen Zahlungsbereitschaft. Aber trifft das nicht auch auf die Käufer anderer Smartphones/Tablets zu?

Natürlich bedeutet die Programmierung einer App einen hohen Aufwand, der sich erst einmal refinanzieren will und Erfolge zeigen muss, bevor man das Segment weiterentwickelt und da liegt es aus Verlagssicht nahe, auf das Betriebssystem zu setzen, welches den größten Marktanteil hat. Jedoch sollte man den Blick auf die Marktentwicklung nicht vergessen, sonst läuft man Gefahr, einen Teil des Marktes zu verlieren. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass man einen Teil der Zielgruppe nicht erreicht – Streuverluste mal umgekehrt. Ein Vergleich mit der Fernsehbranche zeigt wie unsinnig diese Strategie ist: Würde beispielsweise RTL nur auf Sony-Fernsehern senden oder ProSieben nur auf Panasonic, wäre Fernsehen nicht das am stärksten konsumierte Medium unserer Gesellschaft geworden. Im Pressehandel gibt es einen Begriff, der das ganz schön beschreibt: Ubiquität – die Überall-Erhältlichkeit von Zeitschriften und Zeitungen. Bisher gibt es sie in der mobilen Welt leider noch nicht.

Ich selbst besitze seit kurzem ein Galaxy Tab von Samsung, das Googles Android verwendet. Bisher bin ich mit dem Tablet sehr zufrieden, doch der Blick in die Mediensparte des AppMarktes enttäuscht. An deutschen Nachrichten-Apps sind vor allem Fernsehsender vertreten, so z.B. n-tv oder die Tagesschau, die ihre App vor wenigen Wochen zeitgleich bei Apple und Android veröffentlicht hat. Im Print-Bereich habe ich bisher nur eine App des Stern entdeckt, die nicht einmal an die Tablet-Ansicht angepasst ist.
International sieht die Situation etwas anders aus, hier sind allen voran die USA mit Apps von Financial Times, Wall Street Journal, USA Today oder der NY Times vertreten. Auch große europäische Blätter wie Le Monde aus Frankreich oder The Guardian aus England sind zu finden.
Anscheinend haben die deutschen Verlage das Potenzial anderer Betriebssysteme noch nicht erkannt. Dabei bietet ein neues System große Chancen, denn die ersten Anbieter, die mit einer ordentlichen Nachrichten-App an den Start gehen, können sich einen enormen Vorsprung vor der Konkurrenz erarbeiten. Solange das nicht passiert, muss ich mich leider mit Sammel-Apps wie „World Newspapers“ begnügen, in der ich die leider nicht allzu nett anzuschauenden mobilen Angebote meiner Lieblingsnachrichtenseiten speichern kann. Natürlich kann ich mit ein, zwei Klicks auch die richtigen Internetseiten ansteuern, aber auch diese sind mit Ausnahme der Zeit nicht für die Nutzung auf einem kleinen Bildschirm optimiert.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Abhängigkeit der Verlage von den Geräteanbietern. Im Moment müssen sie sich von Steve Jobs viel gefallen lassen, wie kürzlich die Meldung, dass Verlage den Print-Abonnenten keine kostenlose App zur Verfügung stellen dürfen, zeigte. Sind sie dagegen auf mehreren Plattformen aktiv, können sie sich leichter gegen solche Verbote wehren, ohne dass ihr mobiles Geschäftsmodell vor dem Aus steht.

Langfristig jedoch sind die vielen unterschiedlichen Betriebssysteme (mit dem Windows Phone steht der nächste Anbieter in den Startlöchern) ein Hindernis, das doppelten Aufwand bedeutet. Hoffen wir darauf, dass diese mit offenen Systemen und Standards abgebaut werden und wir als Kunden in Zukunft unabhängig vom Gerät auf alle Apps zugreifen können, die wir gerne hätten.

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Die App-O-Manie geht um (2)

3 Gedanken zu “Die App-O-Manie geht um (2)

  1. TomAusMünchen schreibt:

    Alles halb so wild… schliesslich kann man mit Android doch die Seiten direkt im Web aufrufen (inklusive Flash-Inhalten). Da braucht man doch letztlich keine Apps…

    siehe zB zeit.de etc.

    1. Man braucht sie nicht, aber die Websites sind ja nicht optimal für Tablets/Smartphones ausgelegt – um da einen höheren Lese- und Unterhaltungskomfort zu haben, wäre eine gute App sicher keine schlechte Idee.
      Zumal die Verlage dadurch auch neue Einnahmen generieren können. Das ist ja der allgemeine Hoffnungstenor: mit Apps kann ich endlich wieder Geld für meine digitalen Inhalte verlangen.

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