Es tut sich was im eBook-Markt

In Frankfurt ist es mir dieses Jahr zum ersten Mal aufgefallen, an vielen Ständen konnte man eBooks, eReader und die passende Software ausprobieren. Es scheint, als ob der Trend, von dem in der Branche seit vielen Jahren geredet wird, nun endlich in der Wirklichkeit angekommen ist. Der Hype um das iPad und die Apps tut sein Übriges, um das Digitale ins Bewusstsein des Konsumenten zu rücken.

Auch die Verkaufsplattformen rüsten auf, so hat ciando angekündigt sein Angebot auf 130.000 eBooks zu erweitern. Das entspricht dann immerhin fast zwölf Prozent des lieferbaren Buchmarktes in Deutschland.
Und wenn man den Hochrechnungen des amerikanischen Verlegerverbandes AAP glauben mag, sind eBooks schon im nächsten Jahr im zweistelligen Bereich und damit ein ernstzunehmender Umsatzträger.

Pünktlich zur Messe erschien der neue Roman von Ken Follett in dreifacher Ausgabe – als Hardcover, eBook und enhanced eBook. Der Kunde erhält einen Mehrwert, wenn er sich für das enhanced eBook entscheidet – mal in Form eines Videointerviews mit dem Autor, mal als Link zu den Wikipedia-Artikeln historischer Personen. Für echte Fans ist das eine tolle Möglichkeit tiefer in die Geschichte, die das Buch erzählt, einzutauchen. Obwohl für Bastei Lübbe viel Zusatzarbeit entstanden ist, ist die angereicherte Variante fünf Euro billiger als das gedruckte Pendant. So greifen vielleicht einige beim Online-Shoppen doch mal zur digitalen Version.
Auch Rowohlt möchte dem Leser mit seinem Digitalbuch plus einen Zusatznutzen bieten.
Meiner Meinung nach, ein Schritt in die richtige Richtung, damit das eBook seinen Platz in der Produktpalette von Verlagen und dem Handel findet. Ein Vorbild könnten DVDs sein, die dem Käufer schon seit Jahren mit Special Editions Extras bieten, die zum Teil eine längere Laufzeit besitzen als der eigentliche Film. Natürlich ist hier von vornherein mehr Videomaterial vorhanden, das für Outtakes oder ein Making-off verwendet werden kann. Aber auch wenn zurzeit überall Bewegtbild-Formate gefordert werden, kann auch die Einbindung von Bildern oder Hintergrundinformationen den eigentlichen Reiz eines eBooks ausmachen.

Viele Verleger sehen eBooks immer noch als Konkurrenzprodukte zu den gedruckten Büchern, aber das müssen sie gar nicht sein. Vielmehr können sie als Ergänzung oder eigenständiges Produkt neue Zielgruppen erreichen und dadurch neue Marktchancen eröffnen. Ein interessantes Beispiel ist die eBook-Serie „WYRM“ vom bekannten deutschen Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein. Sie ist eine eigenständige Geschichte, die auf dem gleichnamigen Roman, der in gedruckter Form erschienen ist, basiert. In regelmäßigen Abständen erscheinen neue Episoden, die man auf dem Handy oder am Computer lesen kann. Solche eBooks haben mit dem gedruckten Buch nicht mehr viel gemeinsam, sondern erinnern eher an ein Zeitschriftenabonnement. Auch Amazon versucht sich mit einem eigenen Segement für kurze Texte. In der neuen Rubrik “Kindle Singles” sollen insbesondere Reportagen, Essays und Kurzgeschichten veröffentlicht werden.

Wenn sich der eBook-Markt in Zukunft in diese Richtung entwickelt, stellen sich zwangsläufig viele Fragen, welche die rechtliche Seite betreffen. Wie sieht es etwa mit der Preisbindung für eBooks aus? Laut Preisbindungsgesetz gilt sie nur, solange das eBook das gedruckte Buch substituiert. Ist das nicht der Fall, werden die Preise wie bei Hörbüchern frei vom Verkäufer festgelegt.
Ich bin gespannt, ob es dann eine ähnliche Entwicklung wie in den USA gibt und die Preise für eBooks sinken. Wird das eBook endlich massentauglich? Um das herauszufinden, müssten mehr Verlage den Mut aufbringen neue Wege zu gehen und sich von der starren 1-zu-1-Übertragung gedruckter Inhalte ins Digitale lösen. Dann wird das eBook irgendwann vielleicht tatsächlich zum erhofften Umsatzträger.

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